Dr. Ingo Bechmann: "Wir haben, glaube ich, tatsächlich zu viele Krankenhäuser."

Shownotes

Prof. Dr. Ingo Bechmann kommt aus Coburg und gehört heute als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig zu den prägenden Köpfen der Universitätsmedizin in Sachsen. In dieser Ausgabe von „Menschen aus der Region“ spricht er über seinen persönlichen Weg von Coburg nach Leipzig, über seine frühe Faszination für Anatomie und über die Frage, warum Medizin für ihn weit mehr ist als ein Beruf. Im Gespräch geht es um die Ausbildung junger Medizinerinnen und Mediziner, um Kommunikation, Empathie und Praxisnähe - aber auch um prägende Erfahrungen im Präpariersaal, um Würde und Respekt gegenüber Körperspenderinnen und Körperspendern sowie um ethische Fragen in einer Medizin, die technisch immer mehr kann. Außerdem spricht Ingo Bechmann über Schwächen und Stärken des deutschen Gesundheitssystems, über Krankenhausstrukturen, Hausärzte, Digitalisierung und Datenschutz - und er findet dabei durchaus klare Worte. Ein Gespräch über Herkunft, Verantwortung, Wissenschaft, Haltung und die Zukunft der Medizin.

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00:00:00: Ingo Bechmann kommt aus Koburg.

00:00:02: Heute in Leipzig eine der bregenden Köpfe der Universitätsmedizin trägt viel Verantwortung, Prof.

00:00:07: Dr.

00:00:07: Ingo Beckmann und anderen Dekanen der medizinischen Fakultät der Uni Leipzig.

00:00:12: Einer, der sich mit den Menschen im Körper beschäftigt – Mit Ausbildung, mit Wissenschaft und am Ende eben auch mit der Frage wie wollen wir eigentlich Medizin machen?

00:00:20: Wir sprechen heute mal über sein Weg aus Kobürg nach Leipwig, über den Präpariersaal, die Ausbildung junger Medizinerinnen, Medizina, Ethik, Zukunftsfragen Und natürlich auch die eine oder andere kurios Geschichte, die der Uni Alltag vielleicht manchmal so schreibt.

00:00:35: Herr Professor Bechmann, lieber Ingo, wir sind ja bei du!

00:00:37: Das kann man auch an der Stelle sagen.

00:00:40: Ja, du bist ein Koburger?

00:00:42: Wie viel Koburger steckt denn in dir drin, wenn du auch unterwegs bist in

00:00:45: Leipzig?!

00:00:45: Das wird mir zum Glück nie los... Also als Franke hat man vielleicht gewisse Abneigung gegen großes Kino, schnelle Autos, hübsche Glamotten und so erzeug ich also das trage ich schon weiter in mir und habe eine tiefe Abneigung dagegen.

00:01:01: Du bist Pendler, also du arbeitest in Leipzig aber hast nachher vor deinem Zuhause hier im Coburg.

00:01:07: Wir sitzen auch hier bei dir daheim sehr düllisch mitten im Grünen.

00:01:12: Wie wichtig ist es dir wieder heimzukommen?

00:01:14: Also ich hab zwei zu Hause's!

00:01:15: Ich fühl mich in unserem Haus in Mark-Lehbergs südlich von Leipzig.

00:01:19: Pudelwohl, die klaut ja auch meine Frau Und hier fühle ich mich natürlich anders zu Hause als dort.

00:01:26: Ich bin jetzt das siebzehnte Jahr in Leipzig, ich liebe diese Stadt und liebe die Leute meine Arbeit.

00:01:32: Aber natürlich ist es mit dem Fahrrad durch die langen Berge zu fahren oder einfach am Ketschenbach zu sitzen – ich komme ja da vom TV Ketschendorf, da bin ich sozusagen sozialisiert.

00:01:42: Das ist noch mal ein anderes Zuhause!

00:01:45: Aber wohl fühl' ich mich an beiden Orten wie ein Fisch im Wasser

00:01:49: Ingo, kommen wir mal zur Kindheit.

00:01:51: Was war es für eine Kindheit?

00:01:52: Viel Neugier, viel Bücherlesen, viel draußen sein oder irgendwie ganz anders?

00:01:56: Viel

00:01:56: draußen sein!

00:01:57: Ich bin am Ketschendorfer Hang groß geworden.

00:01:59: in der Wohnung neben mir ist der Norbert Kastner groß geworden.

00:02:01: Der Gerald, der kleine Bruder von Norbert hat mit mir Handball gespielt.

00:02:05: Das war eigentlich das Bregenste der TV-Karte waren wir ständig und die Wochenenden in der Halle und Tischtennis spielen Und geturnt habe ich am Anfang... Das hat mich aber gar nicht so viel Spaß gemacht.

00:02:15: Aber irgendein Idiot hat meinen Vater erzählt, ich hätte Talent.

00:02:18: Aber mit dem Handball da konnte ich dann wirklich viel anfangen und habe noch viele Freunde aus dieser Zeit.

00:02:23: Wir sehen uns beim Heimspielen des HSC.

00:02:25: Da bist du öfters zu sehen?

00:02:26: Ja,

00:02:27: so oft es irgendwie geht!

00:02:28: Das Thema Sport.

00:02:29: ansonsten begleitet dich das noch in einem normalen Leben?

00:02:33: Es sollte mich viel mehr begleiten aber meistens wenn ich abends nach Hause komme... Ich hab eine kleine Muckibude im Garten, da geb' ich's mir manchmal noch.

00:02:40: Ich war mitm Fahrrad auf die Arbeit, es sind bis zu mehr als zehn Kilometer also zwanzig am Tag, die ich da fahre.

00:02:46: Aber ansonsten muss ich schon aufpassen, dass ich nicht dick werde oder noch dicker werde.

00:02:52: Gibt's denn so einen typischen kuburgerischen Satz?

00:02:55: Oder eine kubrigerische Eigenschaft, die du heute noch gerne... ...oder eine Haltung, die dich ein bisschen geprägt hat?

00:03:00: Könnt alles viel schlimmer sein!

00:03:02: Das sag' ich oft.

00:03:05: Ja.

00:03:05: Es

00:03:05: ist auf jeden Fall auch ein schöner Satz.

00:03:07: Wenn man Menschen aus der Heimat fragt was hätte denn der junge Ingo Beckmann mal werden

00:03:12: sollen?!

00:03:12: War da Deccan in Leipzig schon mit dabei?

00:03:15: Chirurgie war schon dabei, Anatomie war schon bei.

00:03:18: Also ich hab die Was-Ist-Was Bücher über den Körper und den Menschen auswendig gekonnt.

00:03:23: Mein Bruder musste sich meine Vorträge darüber anhören Und wie gesagt Messer und also Skalpell und Pinzette hatten sie mir auch schon von klein auf angetan.

00:03:32: Ich hatte dann eine andere Phase, ich habe als Statist am Theater gearbeitet So ab sechzehn, wuchzen, sechzen Und konnte mich dann auch ein Theaterberuf vorstellen.

00:03:41: aber irgendwann war ich dann doch zum Glück schlau genug zu sagen, dass da mein beruflicher Weg in den Händen von anderen liegt.

00:03:49: Das wollte ich nicht und nach meinem Zivildienst am damals Landkrankenhaus Koburg war mir klar, dass sich aus der Nummer nicht mehr rauskommt, dass ich medizinisch studieren muss.

00:03:57: Da habe ich all das gemacht.

00:03:58: Dr.

00:03:58: Enko Beckmann heute bei uns in der Menschen-Sendung zu Gast.

00:04:01: Mir interessiert natürlich auch dieser einen Punkt Wann biegt dein Leben?

00:04:05: Und wie oft wohin ab wann war denn bei dir klar?

00:04:08: also gab es so ein Schlüsselmoment an dem du gemerkt hast Menschmedizin, das ist so meins.

00:04:13: Gibt es da so ein Ereignis oder irgendwas Sonderes Prägendes?

00:04:16: Also wie gesagt ich habe als kleines Kind schon die Anatomie des Körpers faszinierend gefunden und die Möglichkeit chirurgisch zu arbeiten.

00:04:25: Wo das herkommt kann nicht sagen.

00:04:26: in meiner Familie gab's nur eine Ärztin Das war meine Partentante.

00:04:30: Die hatte eine allgemeinen ärztliche Praxis am Ketschentor Aber sonst waren die anderen Juristen und Altfilologen und Ingenieure Und irgendwie sowas.

00:04:39: aber In meinem Zivildienst hatte ich es mit Sterbenden zu tun und da war mir klar, dass ich so was wie Alzheimer-Forschung machen möchte.

00:04:48: Und die Faszination für diese Erkrankungen ist geblieben.

00:04:51: also das mache ich seit meiner Doktorarbeit seit vierunddreißig Jahren.

00:04:56: Was war das erste, was dich kreizt an einer Medizin?

00:04:58: Was ist helfen, das Verstehen oder die Wissenschaft?

00:05:02: Also natürlich die Möglichkeit zu helfen und einem menschlichen Körper so gut zu beschreiben, dass man eben helfen kann ist natürlich sofort bei der Wissenschaft.

00:05:10: Also es war mir schon vom ersten Semester an klar, dass ich ja eine Universitätsklinik arbeiten möchte und dass sich bei diesem Betrieb dabei sein möchte, der den Fortschritt bringt, denn natürlich habe ich als Zivildienstleister ganz häufig gesehen das war so ne internistische Sterbestation faktisch damals hieß noch nicht Geriatrie die hat ihr dann erst der Johannes Kraft aufgebaut.

00:05:30: den hab ich damals übrigens schon kennengelernt und seitdem sind wir in guten Kontakt.

00:05:34: da gab's eben jede Menge Situationen in denen die Ärzte und Ärzten uns gesagt haben, da können wir jetzt nichts mehr machen.

00:05:42: Und damit zu leben, das bin ich nicht für gebaut.

00:05:44: Also Wissenschaft klar!

00:05:46: Und du hast gesagt Alzheimer?

00:05:48: Alzheimer ist natürlich ein Feld wo viele Menschen betrifft also der Betroffene selber natürlich aber auch viele Menschen drum herum.

00:05:56: Die nahestehende Leute, das oftmals wirklich ein schweres Thema und ja oftmals Leute auch echt ein bisschen aus der Bahn wirft gerade auch Betroffenen.

00:06:06: Du bist und forscht weiter, kannst du Hoffnung geben?

00:06:09: Naja also es gibt jetzt schon klare Einsichten was die Krankheit beschleunigt.

00:06:15: Und die gute Nachricht ist ja dass auch Leute die die hässlichsten also gefährlichsten Gene haben die zu dieser Erkrankung führen häufig auch nicht krank werden.

00:06:26: Also das nennt man Penetrans.

00:06:27: wie wie häufig führt ein Gen wirklich zur Erkrankung?

00:06:30: und da liegen wir bei den schlechtesten Genen vielleicht zwischen Das heißt, dreißig Prozent bekommt es gar nicht.

00:06:37: Und da haben wir in den letzten Jahren schon gelernt was da entscheidende Faktoren sind.

00:06:41: Da braucht's gar kein Medikament.

00:06:43: Es gibt so eine Empfehlung von zehn Maßnahmen die beziehen sich auf Ernährungssport Hörgeräte tragen wenn man nicht mehr gut hört dass man im Kontext der Gesellschaft bleibt.

00:06:52: Kreuzwort Rätsel machen solche Dinge.

00:06:54: mediterrane Diät ist ein großer Faktor also Fisch, Olivenöl Tomaten So wie sagen.

00:07:02: das wissen alle.

00:07:03: Denn wenn du die Krankheit den Ausbruch der Erkrankung um sagen wir mal fünf Jahre verzögerst, würden die meisten ja friedlich im Bett einschlafen und nicht noch ein paar Jahre mit Demenz verbringen.

00:07:15: Was wir eben hässliches unter dem Mikroskop sehen ist dass die Erkankungen irgendwo zwischen vierzigundfünfzig schon beginnt im Gehirn sichtbar aber eben von außen also klinisch in Form von Symptomen noch unsichtbar bleibt.

00:07:29: Ich frag mal nach, auch im Sinne von vielen die vielleicht mit Leuten zu tun haben.

00:07:33: Was sind so Symptome?

00:07:34: Die alle ersten, wo man draufstoßen könnte und sagen ah, vorsichtig!

00:07:38: Ja das ist zunächst einmal natürlich eine Wortfindungsstörung und die Person fährt in der Stadt und weiß gar nicht mehr was sie eigentlich wollte.

00:07:49: Da muss man aber auch immer entspannen und sagen, das ist mir auch schon passiert.

00:07:52: Oder ich gehe in den Keller und dann weiß ich gar nicht mehr warum ich in den Keller gegangen bin.

00:07:55: Wollte ich Bier holen oder Milch?

00:07:58: Man darf da glaube ich nicht hypernervös werden.

00:08:01: Aber wenn sie es häuft, kann man sich ja die Diagnose stellen lassen, wenn man unbedingt möchte.

00:08:07: Ich würde's nicht tun.

00:08:08: Ganz direkt ganz persönlich Menschen aus der Region bei Radio Eins

00:08:13: Professor Dr.

00:08:13: Ingo Bechmann in Leipzig öffentlich als Dekan der Medizinischen Fakultät geführt, zuvor war dort unter anderem Forschungsdekan und auch später ProDekan für Struktur.

00:08:22: so habe ich es zumindest gelesen im Internet was alles zu finden ist.

00:08:26: jetzt mal Hand aufs Herz.

00:08:27: wenn man von außen auf einen Amt schaut denkt man schnell Sitzungen Papiere Papiere Verantwortung ohne Ende.

00:08:34: Was macht ein Dekant eigentlich den ganzen Tag?

00:08:37: Also die Bedingung für mich das Dekansamt zu übernehmen zunächst mal, dass ich meinen anderen Job weiterhin machen kann.

00:08:44: Das heißt, ich unterrichte weiterhin Anatomie, das ist wirklich für mich der Jungbrunnen und ich betreibe mein Labor mit meiner Doktorantin Doktoranden und bin dann eben nebenbei noch dekarn.

00:08:55: im Gesetz steht, dass der dekran die Fakultätsratssitzungen vorbereitet.

00:09:00: Was wir faktisch tun im Dekanat zu schauen wann wer ausscheidet, wen wir wie ersetzen.

00:09:07: Wie wir uns verbessern können in welchem Feldbedarf nach neuen Professuren ist.

00:09:12: und die meiste Zeit in diesem Jahr mit Abstand habe ich damit verbracht mit Politikern zu reden denn in Sachsen ist die finanzielle Situation äußerst angespannt und da muss sich eben Vertretern aller Parteien erklären warum es keine gute Idee ist an der Medizin zu sparen.

00:09:26: Da waren wir ziemlich erfolgreich.

00:09:28: Was für Summen werden da bewegt?

00:09:30: Unser Etat in diesem Jahr beträgt einhundert drei Millionen Euro vom Land und dann kommen dazu noch etwa sechzig bis siebzig Millionen Euro Drittmittel, die wir also von Geldgebern einwerben – die Forschung unterstützen vor allem der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vom Bundesministerium für Wissenschaft.

00:09:48: Und wir haben alles in allem in der Fakultät tausendsebenehrend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das ist schon ein großer Laden.

00:09:54: Das Universitätsklinikum hat sechstausend Mitarbeiter und natürlich müssen wir auch eng abgestimmt mit dem Universitätenklinikum agieren, das heißt wir haben regelmäßig Vorstandssitzungen.

00:10:03: Denn die haben natürlich auch Bedarfe in der Krankenversorgung wo sie sagen können wir da nicht ein Professor oder eine Profisorin berufen, da gibt es ein neues Feld in der Tumorkirurgie oder so... Und dann setzen wir uns zusammen und müssen dann halt auch klären wer was zahlt bei dieser Veranstaltung.

00:10:17: aber das läuft gut.

00:10:18: Jetzt hat der Tag nur vierundzwanzig Stunden.

00:10:20: Es klingt alles sehr aufwendig und nach sehr viel.

00:10:23: Wie viele Stunden, also wieviel hattest du einen Tagstunden bei dir im normalen Leben?

00:10:28: Und wie ist es aufgeteilt?

00:10:29: Das würde mich auch mal interessieren.

00:10:30: Also administrativer Arbeit und wirklich Forschungsarbeit zum Beispiel!

00:10:34: Ich habe den Vorteil... das war in der Schule ein Nachteil für mich aber jetzt macht's mir das Leben extrem leicht dass ich sehr schnell mit allem bin und am liebsten drei Sachen gleichzeitig mache Also von acht bis eins in der Schule sitzen und dazuhören, das war die pure Hölle für mich.

00:10:52: Aber jetzt habe ich meinen Rechner auf und da sind zwei drei Sachen, die da gleichzeitig vor mir stehen.

00:10:57: Und dann mache ich drei Minuten hier und fünf Minuten dort und bin ziemlich schnell!

00:11:01: Und es funktioniert?

00:11:02: Ich bin jedenfalls ohne Gegenstimme in eine zweite Amtszeit gewählt worden also scheinen sie nicht ganz entsetzt von meinem agieren zu sein.

00:11:09: Ich kann gut mit Politikern und schätzt diese sehr denn deren Arbeitstag ist noch viel, viel härter als meiner Und das sind ja auch Leute, die was bewegen wollen.

00:11:17: Also ich habe da jetzt keinen Zyniker erlebt egal aus welcher Partei der irgendwas kaputt machen möchte und sie müssen – und es muss als Dekan halt auch lernen leider eben dann doch bei neun von zehn Anfragen Nein sagen weil einfach kein Geld da ist.

00:11:30: Wir haben vorhin schon mal darüber gesprochen und wir beide haben uns auch schon einmal drüber nachhalten.

00:11:33: Der Umgang mit AfD-Politikern Da hast du natürlich in Sachsen auch mit zu tun Klar!

00:11:38: Die sind nahe und sind auch stark in Sachson.

00:11:42: Wie siehst du die Diskussion um den Umgang mit AfD-Politikern und wie gehst du selber auch damit um, als der Kann?

00:11:48: Ich

00:11:49: habe als Leiter einer öffentlichen Einrichtung mit jedem Abgeordneten zu reden.

00:11:54: Das hat auch unsere Rektoren nochmal dieses Juristin ganz klar gesagt, dass jetzt also für uns eine Brandmauer gar nicht gelten darf.

00:12:02: Und ich rede auch mit jedem Abgeordneten, der mit mir reden will – und glaube auch nicht, dass man da AfD gerecht wird wenn man sich vorstellt, das ist ein parteivoller Nazis!

00:12:13: sondern da gibt es Leute, die machen sich aus bestimmten Gründen sehr große Sorgen um Deutschland und stellen sich dabei Lösungsmöglichkeiten vor.

00:12:21: Die häufig nicht meine Sinn.

00:12:23: aber wenn ich nicht mit denen rede dann wissen sie nicht wer wir sind und dann können Sie sich für die Medizin nicht engagieren.

00:12:29: insofern habe ich da kein Problem damit.

00:12:31: also es gibt ja auch Leute die DIE LINKE verfassungsfeindlich halten.

00:12:34: Da hab' ich richtig freundschaftliche Kontakte.

00:12:37: die Fraktionsvorsitzende der Linke Susi Schaber ist jemanden, den ich gerne privat treffe.

00:12:41: Wir waren gerade in Chemnitz beim Lokal der Dörfer gegen Zwickau und beim Fußball zusammen.

00:12:46: Und wenn wir über Politik reden vor allem über Wirtschaftspolitik da wären wir uns nicht einig dann müssen wir lachen und klammern das Thema aber deswegen nicht aus.

00:12:53: Abschließend eine Frage für dem Blog noch.

00:12:55: Bist du jemand, der gern entscheidet?

00:12:56: Ich bin jemand der bei Jürgen Habermas studiert hat und deswegen Demokratiemarkt.

00:13:01: also ich gehe oft in Gremien die ich selbst einberufen habe und sage ich hab heute überhaupt keine Meinung Du bist doch am nächsten dran, sag du noch mal bitte deine Einschätzung.

00:13:11: Und hör mir das an.

00:13:12: und meistens kommen wir dann relativ schnell zu einem einstimmigen Votum auch wenn ich am Anfang der Sitzung überhaupt nicht wusste wofür ich sein kann.

00:13:22: Das heißt ich moderiere eigentlich lieber den Prozess der zunachschlauen Entscheidung führt als mir einzubilden dass ich immer recht hätte

00:13:30: Dr.

00:13:30: Ingo Bechmann, heute der Gast bei uns und damit sind wir auch schon mit den jungen Leuten die durch diese Fakultät mal gehen.

00:13:36: Den künftigen Ärztinnen und Ärzten!

00:13:39: Die medizinische Fakulität bildet ja unter anderem in humanen Medizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Hebammenkunde aus im Leipzig zu dem mit der Lernklinik ein etablierter Simulations- und Trainingsumfeld für die Lehre.

00:13:51: Du bist mitverantwortlich, Ingo.

00:13:53: Wie medizinere Mediziner von morgen ausgebildet werden?

00:13:56: Was muss ein junger Arzt von heute können was früher vielleicht gar nicht so zentral war?

00:14:00: Also eigentlich muss er können was man früher auch können musste und darüber hinaus noch mehr weil einfach die Entwicklung so rasant ist dass man schon die Tools beherrschen muss sich selbst fortzubilden und bei selteneren Erkrankungen auch zu schauen wo es in Deutschland eine Expertin gibt die mir lieber konsultiert also selber zu versuchen Da gibt es mittlerweile KI-Software, die wirklich richtig gut funktioniert.

00:14:27: Also du kannst dort sagen ich habe gerade einen Patienten gesehen der hat das und das und dass... Ich glaube das Krankheitsbild würde man am ersten mit diesem Begriff beschreiben wie ist denn die aktuelle Therapie?

00:14:36: Und dann spuckt er einem die Literatur dazu aus und gibt eine Empfehlung und was wir bisher so validiert haben.

00:14:43: also wenn ich die Fragen stelle mit denen ich mich auskenne Er beschreibt oder dieses Aufbär beschreibt tadellos in kürzester Zeit.

00:14:53: Aber natürlich muss eine junge Ärztin, junger Arzt nach wie vor die Grundlagen beherrschen also Biochemie, Physiologie, Anatomie und Grundlagen der Psychologie Und dann durch die einzelnen Fächer der Medizin geführt werden um zu wissen was es so gibt.

00:15:05: Wie wichtig sind denn Kommunikationen und Empathie?

00:15:08: Es sind entscheidende Schlüssel um erfolgreich zu sein Also im Hinblick auf die Genesung der Patientinnen und Patienten.

00:15:15: Allerdings sind unsere Möglichkeiten das zu unterrichten beschränkt, weil nach meiner Wahrnehmung doch die entscheidenden Grundlagen dafür in der Kindheit gelegt werden.

00:15:27: Also Sportverein, Blasorchester was immer also in Gemeinschaften groß werden Verantwortung voneinander zu übernehmen Die Schwachen zu schützen und weiterzuentwickeln eigene Schwächen zu sehen Das alles denke ich spielt sich irgendwie zwischen Geburt und im zwölften Lebensjahr entscheidend ab.

00:15:45: Das heißt, wenn wir jemanden haben der gar nicht wahrnimmt dass da ein kranker Mensch im Raum ist oder es einen Konflikt gibt den er vielleicht ansprechen müsste dann werden wir das an der Universität nicht lösen können.

00:15:56: das Problem das ist zwar hässlich aber so ist es.

00:15:59: Und wie bekommst du Menschen hin Leute hin?

00:16:03: Nicht nur die Krankheit zu sehen sondern also nicht nur dem Befund und nicht nur des Krankheitsbildes sondern eben auch den Menschen dahinter

00:16:09: ist für mich so selbstverständlich, dass man mir das anmerkt.

00:16:14: Aber natürlich gibt es auch schöne Beispiele die ich immer wieder bespreche.

00:16:17: also Paradebeispiel ist Patient hat Knieschmerzen Dann kann's schon sein, dass in Deutschland zu einem Orthopäden gehst.

00:16:25: der guckt dann dein Knie an und sieht nicht den restlichen Menschen.

00:16:28: Wenn du zu einer Physiotherapeutin gehst wird sie zumindest mal die ganze Kette des Bewegungsapparates ansehen Und vielleicht feststellen, dass das Problem im Sprunggelenk liegt.

00:16:37: aber das Knie hat als erstes weh getan.

00:16:39: Vielleicht sind es aber auch ganz andere Bedingungen, die zu diesem Problem führen.

00:16:43: Also dass man ganze Zeitliche Gespräche führt sollte eigentlich jedem klar sein.

00:16:47: allerdings mag ich nicht drüber urteilen das das häufig nicht geschieht weil ich hier nicht mehr klinisch tätig bin.

00:16:54: also ich sehe meine Patienten in der Else oder so wo mich jemand anspricht er hier schon einen Jahr oder zwei unterwegs ist und keiner findet ein Diagnose.

00:17:02: aber Ich muss nicht mehr auf Stationen arbeiten und da ist des Zeitbudget schon wirklich geschrumpft.

00:17:09: Also das ist auf Effizienz ausgelegt, weil der System eben mit wenig Geld arbeiten muss und wie wir alle wissen zu viel verbraucht.

00:17:15: Da kommen später noch ein bisschen ausführlicher drauf auf die Medizin in Deutschland.

00:17:18: Was muss denn an einer medizinischen Ausbildung unbedingt und ohne wenn und aber praktisch bleiben?

00:17:24: Ich muss sagen es ist jetzt meine Meinung da gibt's Leute die denken anders drüber Aber ich denke, dass wir das einfach an Atomie machen.

00:17:32: Also mit den eigenen Händen präparieren nach kleinen Nerven und nach kleinen Gefäßen suchen zu sehen, dass jeder Mensch anders ist, dass am Nachbar-Tisch das Präparat ganz anders organisiert sein kann.

00:17:45: Das ist schon ein Teil auf dem ich nicht verzichten möchte in der Ausbildung von Medizinerinnen und Medizinern.

00:17:51: Und dann kommt es sehr versteht, die später im Studium die Fähigkeiten mit den Händen zu untersuchen.

00:17:56: Mit dem Hemmerchen und dem Stethoskop zu untersuchten.

00:17:59: Das wird aber weiterhin gelehrt uns sogar noch viel besser und gründlicher als wir das in unserem Studium hatten.

00:18:04: bei uns war schon auch viel Learning by Doing Und jetzt ist es sehr, sehr wohl strukturiert und wird auch abgeprüft.

00:18:10: Die Studierenden haben wirklich die Möglichkeit das auch an Modellen zu lernen.

00:18:14: Also wir haben Prostatartasten am Patienten gelernt.

00:18:16: Da hat man uns einmal kurz gezeigt wie das geht.

00:18:19: Jetzt haben wir Modelle wo man dann auch drüber reden kann Wie man mit Patienten vorher spricht bevor man das tut und solche Dinge.

00:18:25: Das Medizinstudium ist schon auch kontinuierlich menschenfreundlicher und praktischer geworden.

00:18:30: Hörenswertes von Menschen aus der Region.

00:18:35: Dr.

00:18:36: Ingo Beckmann, für viele Medizinstehende ist der Präparierkurs ein Moment den Sie nie vergessen!

00:18:42: Ich habe auch eine sehr beeindruckende Doku gesehen im MDR.

00:18:45: Weißt du noch wie das bei dir war?

00:18:46: Dass alle allererste Malen präpariert sind?

00:18:50: Ja ich muss gestehen ich hab mich darauf gefreut Und hatte jetzt keine Berührungsängste damit.

00:18:56: Ich hab mich gefreut, endlich mal was im Studium mit den eigenen Händen machen zu können.

00:18:59: Fand auch das Lernen nicht so schlimm, ist mir auch nicht so schwer gefallen weil es mich interessiert hat.

00:19:03: Was unangenehm war waren damals die Prüfungen.

00:19:06: auf die Frage, was müssen wir denn können?

00:19:08: Die Antwort immer lautete alles und... Das mach ich anders!

00:19:14: Aber wenn du so mitbekommst, auch du siehst dir, wenn die das erste Mal da reinkommen zum Beispiel, was geht in solche jungen Menschen vor und wie nehmen die das wahr?

00:19:22: Die haben vor allem Angst, weil mündliche Prüfungen anstehen.

00:19:25: Und mündlichen Prüfung sind natürlich anfällig für Willkür und für Sympathie oder nicht-sympathiegetriebene Entscheidungen, sodass wir denen eigentlich erstmal versuchen müssen klarzumachen dass wir überhaupt nichts Böses ihnen wollen sondern im Gegenteil unser großes Ziel ist das alle da bestehen.

00:19:44: und in diesem Semester gelingt es mir auch wieder.

00:19:46: Fünfundzwanzig von fünfundswanzig werden entscheiden kriegen Und nach vier Wochen waren die auch entspannt und haben mir vertraut, wenn ich sage, ich frage euch in der Prüfung dieses und dieses und diese so dieses.

00:19:56: Und dieses frage ich euch nicht – das lernt ihr bitte nicht -, dass ich mich daran dann auch in der Situation halten

00:20:01: werde.".

00:20:02: Sehr schön!

00:20:03: Das wird manche einem da draußen gefallen.

00:20:04: Solche Lehre hätte man sich früher oder woanders auch mal gewünscht aber ... Diese Teil der Ausbildung also Präparierkurs kommen wir da nochmal zurück.

00:20:12: Warum ist dieser Teil der ausbildung trotz aller Digitalisierung und aller Möglichkeiten dies eben schon gibt es so wichtig?

00:20:17: Weil die digitalen Tools, die zur Verfügung stehen zweidimensional organisiert sind in aller Regel.

00:20:23: Und der Mensch, also die Anatomie sich in drei Dimensionen bewegt.

00:20:27: ja das kann ich nicht simulieren.

00:20:29: Also da gibt es schon Regionen.

00:20:30: Die musst du gesehen haben und dann ist auch wenn Du's mal gesehen hast alles klar in kurzer Zeit Wenn man ein bisschen talentiert ist im dreidimentionalen.

00:20:38: aber natürlich Ist unsere Aufgabe auch Manchen Studierenden zu sagen Ohne dass ich die deswegen weniger mag, überhaupt nicht.

00:20:45: Aber denen zu sagen das ist nicht ihr großes Talent.

00:20:48: Versuchts bitte nicht mit was chirurgischem Wenn du merkst sie haben im dreidimensionalen Problem.

00:20:54: aber es gibt so viele andere Felder in der Medizin Die können immer noch tolle Ärzte werden.

00:20:58: Wie sprichst Du dann mit Studierenden überwürde Respekt gegenüber Körperspenderinnen und Spendern?

00:21:04: Das ist natürlich vom ersten Moment ein Thema.

00:21:06: Es gibt vorher schon in der Vorlesung eine Beschreibung wie des körperspende Wesen bei uns funktioniert.

00:21:12: Die Studierenden müssen wissen, dass das Überzeugungstäter sind.

00:21:15: So sieben Prozent der Leipziger über siebzig sind bei uns Körperspender weit über viertausend in der Kartei.

00:21:20: also das ist in der Stadt verbreitet und wir spielen es eben auch sehr sehr öffentlich.

00:21:26: Es gibt eine Gedenkfeier am Ende des Präparierkurses da kommen so um die tausend Leute.

00:21:29: ich lade auch immer noch Politikerinnen und Politiker ein, dass die Angehörigen sehen wie wichtig dieses Geschenk Einfach für die Medizin in Sachsen ist, für die Versorgung.

00:21:38: Und die Körperspenderinnen und Körerspender bezahlen auch dafür.

00:21:42: Tausend einhundertfünfzig Euro um Körperspender sein zu können denn wir müssen ja am Ende die rechtsmedizinischen Totenscheine bezahlen und die Überführung der Leiche sowie die Bestattung.

00:21:52: also da kannst du schon von ausgehen.

00:21:53: ich lerne die fast alle kennen weil das Interview vor meinem Zimmer geführt wird.

00:21:58: Das sind alles Leute, die sagen wir haben gehört bei ihnen passiert noch was vernünftiges.

00:22:02: Warum soll man es dann verbrennen lassen?

00:22:04: Wie geht das?

00:22:04: Dann machen wir einen Vertrag mit denen und das müssen die Studierenden wissen dass der tiefe Wunsch dieser Menschen ist zu helfen Mit dem letzten möglichen... mit der letzten Möglichkeit die sie haben nämlich mit ihrem Körper.

00:22:16: Und das entspannt die Studenten natürlich schon Zu wissen dass da jemand vor ihnen liegt die erstens mal sein Leben gelebt hat.

00:22:22: also dieses Durchschnittsalter Zum Todeszeitpunkt unserer Körperspenderinnen und Körperspender ist die Lebenserwartung.

00:22:29: Also, bei der Frau, zu einem Jahr halb oder so beim Mann.

00:22:33: Das heißt es liegen keine sechzehnjährigen verunglückten Mopedfahrer vor uns.

00:22:38: damit umzugehen ist viel schwieriger als wenn jemand sein Leben gelebt hat und am Ende noch die Entscheidung trifft dass er sich nicht verbrennen lässt sondern den Körper unseren Studierenden zur Verfügung stellt.

00:22:48: Wie oft hast du Momente erlebt das im Präpariersaal So Momente gibt in dem aus Studierenden, sichtlich Studieren plötzlich wirklich Mediziner wird.

00:22:57: Also es geht natürlich in kleinen Schritten aber ich versäume eigentlich keine Zeit im Präparierkurs auch wenn man oft das Handwerkliche sozusagen automatisiert tut.

00:23:08: also Beispiel du ziehst die das Fett ab um auf die Fastie zu kommen da sitzt sie stundenlang nebeneinander und dann gibts nichts zu besprechen über diese Arbeit.

00:23:16: also reden wir über andere Dinge Und dann kommt es natürlich da drauf, was macht man denn mit den Patienten?

00:23:22: und so weiter.

00:23:23: Da erleben wir schon dass die Studierenden am Anfang irritiert sind weil sie denken wieso fragt ihr mich denn sowas?

00:23:29: Das kann ich ja gar nicht wissen!

00:23:31: Und nachdem ich ein paar mal gesagt habe das könnt ihr nicht wissen Wir denken jetzt zusammen nach haben Sie's begriffen?

00:23:35: und dann naja dann denkt man eben zusammen laut nach und ich glaube da ist der Präparirkus insgesamt schon eine Schule.

00:23:43: medizinisch denken zu lernen ist ja faktischen Probedeutikum.

00:23:47: Wir machen die Brüche auf und dann sehen wir Gallensteine, Nierenzüsten.

00:23:51: Und vielleicht eine Pankreatitis obwohl auf dem Totenschein Herzversagen stand.

00:23:55: Die kriegen die ganze Palette was halt so am häufigen und manchmal auch im seltenen mit menschlichen Körper passiert.

00:24:01: aber auf deine Frage ist es kein einzelner Moment sondern das passiert eben über die dreieinhalb Monate, die wir da acht Stunden in der Woche nebeneinander sitzen.

00:24:11: Wahrscheinlich passieren ja da auch Momente, die man erstmal nicht vergisst also nicht immer nur dramatisch sondern vielleicht auch manchmal etwas schräg oder auch mal so ein bisschen menschlich.

00:24:17: Hast du da so eine lustige Anekdote?

00:24:20: Oder so eine schöne Geschichte, die da immer passiert ist?

00:24:22: Also das Lustigste was mir in den letzten Jahren passiert ist war einen Student, der in die erste Prüfung kam.

00:24:28: Da geht es um die Körperoberfläche.

00:24:30: Ich kann eh niemanden durchfallen lassen Das ist mir nicht gegeben aber er war komplett ahnungslos.

00:24:35: Da hab ich gesagt, pass mal auf.

00:24:36: Eigentlich müsste die dich jetzt durchfallen lassen.

00:24:38: aber wir tun so als hätten wir uns heute nicht gesehen und verabreden uns in drei Tagen noch einmal.

00:24:44: Und dann kam der nach drei Tagen und war immer noch ahnungslos.

00:24:48: Dann habe ich das gleiche nochmal gesagt, du musst es einfach lernen Das ist doch nicht schwer, wo ist das Problem?

00:24:54: Also Montag früh um acht zehn, wollen sie bitte wieder und dann kannst du's.

00:24:57: Und dann kann man Montag Früh um acht und konnte alles in Perfektion?

00:25:02: Und was war jetzt das Problem?

00:25:03: Und dann hat er gesagt, er war Tomana.

00:25:05: Also im Tomanakor der Thomas-Schule in Leipzig und da haben sie die Partitur immer im Bus gelernt.

00:25:11: Und deswegen hat er sich halt früh in die Straßenbahn gesetzt und hat angefangen zu lernen.

00:25:15: aber jetzt hätte er begriffen das die Zeit nicht reicht.

00:25:17: Er müsste daheim tatsächlich auch was machen.

00:25:20: Der restliche Kurs war dann Spitze.

00:25:21: Der hat sozusagen seine Lektion gelernt und ich habe etwas erlebt, was ich nicht vergessen werde.

00:25:26: Professor Dr.

00:25:27: Ingo Beckmann Medizin kann heute enorm viel erst bei mir als Dekan in Leibzig.

00:25:32: Aber die Frage ist ja... oft nicht nur was geht, sondern was ist auch richtig.

00:25:38: Und das immer bei den ethischen Fragen so ein bisschen... Wo erlebst du denn heute die drängsten ethischen Frage?

00:25:43: in der Medizin?

00:25:44: Also nach wie vor natürlich in der Gentechnik.

00:25:47: Wir sind jetzt in der Lage einzelne Gene zu beeinflussen.

00:25:51: In Europa sind wir da hinterher weil wir aus unserer Tradition mehr Hemmungen haben.

00:25:55: Das kann ich auch nachvollziehen.

00:25:57: aber irgendwann werden die Therapien so gut sein dass man sie bei uns auch einsetzen wird.

00:26:02: Ich habe da auch überhaupt kein Problem damit.

00:26:04: Also wenn ein Mensch mit einer, sagen wir mal seltenen Erkrankung des Gehirns die auf einer Mutation beruht das gesunde Gehen ins Gehirn geschleust bekommen kann und dann eben nicht mit sieben Jahren stirbt langsam unter langsamem Verlust motorischer Fähigkeiten etwa... Da gibt es eine Gruppe von Erkankungen.

00:26:20: Dann bin ich natürlich dafür dass wir dieses Problem ändern.

00:26:24: aber wenn wir jetzt sozusagen die Frage stellen darf ich das denn schon in Utero tun?

00:26:31: Darf ich die Diagnostik so weit treiben, darf ich künstliche Befruchtung machen und da schon die Gene screenen und Gene ersetzen oder so?

00:26:40: Da kommt in der Zukunft vieles auf uns zu.

00:26:43: Viele schwierige Frage sind wir manchmal vielleicht alle insgesamt zu schnell darin alles machbarer auch gutzufinden.

00:26:48: Oh, also in Deutschland würde ich schon auch das Gegenteil konstatieren.

00:26:51: Manchmal sind wir ganz schön langsam da drin Dinge nicht zu tun und dann kommen sie doch über uns.

00:26:57: aber die Medizinethik ist ein eigenes Thema Da gibt es eine eigene Professur für.

00:27:02: Es ist nicht wirklich mein Thema Aber ich kann mir schon mehr Offenheit vorstellen.

00:27:06: Werden Ärztinnen und Ärzte Und auch in der Ausbildung bereitest du dir auch darauf vor?

00:27:12: Mit der Unsicherheit und mit all den Fragen die dein Zukunft auf sich zukommen so gut umzugehen?

00:27:16: Ja das ist natürlich Teil des Unterrichtes.

00:27:19: immer dann, wenn es spezifisch wird.

00:27:20: Vor allem in der Biochemie und Molekularbiologie wären natürlich moderne Methoden CRISPR-Cas zum Beispiel.

00:27:26: Da gab's ja schon einen Nobelpreis für besprochen und damit mit dieser Gen-Schere kannst du eben tatsächlich Dinge tun die vor Entdeckung dieses Systems undenkbar waren.

00:27:35: Und da reden dann natürlich die Kolleginnen und Kollegen, die dieses Fach unterrichten darüber.

00:27:39: In der Humangenetik wird ein großer Teil sein – in der Onkologie natürlich auch!

00:27:44: In der Kinderneurologie, wo solche Krankheiten auftreten.

00:27:48: Wo man jetzt im Prinzip Möglichkeiten hat die Menschen tatsächlich zu heilen.

00:27:53: Aber wir können ja keine Ethik verordnen.

00:27:55: das ist nicht unsere Aufgabe.

00:27:57: Wir können nur sagen was geht welche Nebenwirkungen es gibt Welche Risiken damit einhergehen.

00:28:02: aber am Ende ist eine politische Entscheidung was wir tun.

00:28:05: auch

00:28:05: Aus eigener Sicht ja betroffen von Krebs, von Lungenkrebs kann ich sagen.

00:28:10: Ich schau das sehr genau drauf was sie da mittlerweile tut und was sich da getan hat.

00:28:14: Es ist ja wirklich unfassbar wie schnell die Medizin da in letzter Zeit Lösungen präsentiert Ist

00:28:20: eigentlich schade dass die Öffentlichkeit es gar nicht so mitbekommt.

00:28:22: Wie viele Revolutionen wir jetzt?

00:28:24: Ich bin jetzt Achtundneunzig habe ich Examen gemacht also achtundzwanzig Jahre bin ich dabei.

00:28:29: Mein erstes Drittmittelprojekt für das ich Geld bekommen hab handelte von dem System durch die sogenannten Checkpointinibitoren beim Krebs angegriffen wird.

00:28:38: Und damals dachten wir, damit müsste man eigentlich Krebs heilen können und immunologische Toleranz erzeugen können also Autoimmunerkrankungen heilen.

00:28:46: Und das kam dann tatsächlich so.

00:28:48: Also die Onkologen erzählen, dass viele ihrer Patienten jetzt gesund aus der Klinik gehen, die man vor Einführung dieses Systems alle noch beerdigt hat.

00:28:56: und es geht immer weiter wirklich Monat für Monat.

00:28:59: wäre schön wenn die Öffentlichkeit davon mehr mitbekommen würde Das Wissenschaft tatsächlich nicht nur Wissenschafts sondern eben auch Fortschrittschaft

00:29:07: und Leben rettet konkret.

00:29:09: Es kann man in dem Fall auch mal sagen, noch eine Frage dazu... Bauchspeicheldrisengräbes kann jetzt geheilt werden vielleicht demnächst also?

00:29:17: Man ist an diesem Thema dran!

00:29:18: Also man forscht auch rund um die Uhr und du kannst auch aus deiner Sicht sagen da gibt es ja noch viele neue Behandlungsmöglichkeiten und vielleicht auch ganz neue Möglichkeiten, die dir in der Pipeline stecken.

00:29:30: Also es gibt zum Beispiel beim Pankers Kopfkratzinomen Zentrum in Halle Die haben eine Überlebenszeit, die ist einzigartig.

00:29:37: Also sie haben sich wirklich darauf fokussiert wissenschaftlich und klinisch Und wer sowas hat kann da hingehen.

00:29:43: also das ist jetzt nicht nur für Bürger Sachsen-Anhalts Und da sind die innerhalb kürzester Zeit zu einem Team geworden dass man glaube ich aus der ganzen Welt sieht Und es sind natürlich Entscheidungen die wir auch innerhalb von einer Fakultät treffen.

00:29:55: Wir müssen jetzt nicht etwas neu beginnen was in München schon wunderbar verläuft Seitdem die Erkrankung ist so häufig, dass die Münchner es nicht mehr schaffen und so weiter.

00:30:04: Also wo fokussieren wir darauf?

00:30:06: Und wie erklärt man auch Patientinnen und Patienten ab wann es vielleicht sinnvoll ist, nicht ins lokale Krankenhaus zu gehen sondern an einen Maximalversorgerstandort?

00:30:14: oder Wir sind in sogenanntes CCC ein Comprehensive Cancer Center Das wird von der Krebshilfe zertifiziert sehr streng.

00:30:22: Da geht's um Zahlen.

00:30:23: Wie viele solche Tumoren seht ihr denn überhaupt?

00:30:26: was könnt ihr technisch, wie gut könnt ihr bestrahlen und so weiter.

00:30:29: Und da sind wir auf dem höchsten Level angekommen.

00:30:32: Das wäre gut wenn man in der Bevölkerung das Wissenschaft ab wann es sinnvoll ist sich an ein solches Zentrum zu wenden.

00:30:39: Und jetzt nochmal die Frage konkret weil es ist ja oft mal so wenn man zumindest meinen Eindruck auch mit den Leuten die ich so treffe die Krebs haben.

00:30:45: das ist immer noch so eine Erkrankung die in der Ecke steckt.

00:30:49: Man will damit eigentlich nicht in die Öffentlichkeit man möchte damit nicht ins Licht.

00:30:54: Warum ist es so?

00:30:55: Was denkst du da drüber.

00:30:56: Es

00:30:56: gibt bestimmt eine bestimmte Form von Charme, weil die Erkrankung ja häufig noch mit dem Label selbst verschuldet belegt ist.

00:31:06: also der hat halt geraucht oder der hat nicht gesund gelebt und er hat sich zu wenig bewegt oder sowas in dieser Art.

00:31:12: aber ich erlebe schon dass sich das im letzten Jahrzehnt dramatisch geändert hat und da trägst Du ja auch dazu bei, dass Du das einfach offen kommunizierst.

00:31:21: über Facebook sehe ich's immer Und ich glaube, das ist genau der richtige Weg.

00:31:25: und auch dass man klar macht, dass die Diagnose Krebs heute eben nicht den Sack bedeutet.

00:31:31: Sondern in aller Regel viele, viele Jahre oder sogar eine normale Lebenserwartung relativ normales oder ganz normales Leben Ganz direkt!

00:31:39: Ganz persönlich Menschen aus der Region bei Radio Eins

00:31:43: Dr.

00:31:43: Ingo Wechmann und wir wollen mal bei den Tellerrand schauen jetzt in diesem Tag, was macht Deutschland in der Medizin gut?

00:31:49: Und wo hängen wir hinterher im weltweiten Vergleich?

00:31:53: also wir hängen denke ich hinterher dass mit dem eingesetzten Geld weniger erreichen als in Ländern, die anders strukturiert sind.

00:32:02: Wir haben glaube ich tatsächlich zu viele Krankenhäuser, die Leistungen nicht auf den höchsten Niveau abliefern können oder nur relativ geringe Fallzahlen von bestimmten Vorkommen haben wo schon ein Team eigentlich eingespielt agieren muss.

00:32:17: Ich glaube an dieser Stelle verlieren wir Geld.

00:32:19: Wir operieren wahrscheinlich auch viel zuviel gerade im orthopedischen Bereich also das Thema Bandscheibenvorfälle.

00:32:26: Es gibt ja ganz andere Vorgehen in Skandinavien.

00:32:30: Wenn du sechs Monate auf dem MRT-Termin wartest, dann sind die Rückenschmerzen eben schon weg weil du doch zur Physiotherapeutin gegangen bist und die kann das besser!

00:32:38: Wir haben ein Riesenproblem immer noch mit Datenschutz.

00:32:41: Also wir können bestimmte Daten nicht erheben, die wir dringend bräuchten um Dinge besser zu verstehen.

00:32:45: und da könnte sich Deutschland mal gründlich neu aufstellen indem es nicht immer den Verdacht hegt dass Daten missbraucht werden sondern das sie gut gebraucht werde um tieferes Verständnis zum Beispiel zur Identifikation von Risikofaktoren zu entwickeln.

00:32:59: Thema Digitalisierung passt da ganz gut rein.

00:33:01: Also für mich, als Laie jetzt ganz klar gesagt mit meiner Gesundheitskarte wenn da alles draufstehen würde was mich betrifft ist doch eigentlich nur von Vorteil.

00:33:09: also mich juckt es auch nicht.

00:33:10: ich finde das auch gut dass ich irgendwie nicht die Briefe in Aktenordnern mitschleppen muss sondern dass da alles verwaltet ist.

00:33:17: Aber es gibt dann doch Menschen, die sich davor fürchten.

00:33:20: Weil wir eben immer diesen Verdacht hegen dass irgendjemand uns was Böses will.

00:33:23: das ist ja vielleicht gesund und in der Evolution auch gewollt dass wir vorsichtig sind.

00:33:28: aber in dem Kontext verstehe ich's überhaupt nicht.

00:33:30: Wir stehen von einer großen Gesundheitsreform in Deutschland.

00:33:33: Die Gesundheitsministerin Wagen hat da jetzt einiges präsentiert.

00:33:38: Du hast dir das bestimmt auch ganz genau angeguckt haben.

00:33:40: Was hältst du von all dem?

00:33:41: Also erstmal meinen Respekt, denn die Gesundheitsministerin hat sich wirklich erst mal gründlich ein eigenes Bild gemacht.

00:33:47: Nachdem sie ins Amt kam, hat mit vielen Leuten gesprochen, hat sich auch den einen oder anderen Lobbyistenverband vom Hals gehalten, da weil sie sich eine eigene Meinung bilden wollte und sie hat es halt mit dem Problem zu tun dass das Defizit für zwei Tausend Dreißig mit Vierzig Milliarden Euro beschrieben wird also vierzig Milliarden, die wir nicht haben.

00:34:06: Und insofern muss es jetzt endlich Maßnahmen geben, die das System effizienter machen.

00:34:11: Ich glaube der Mix, der da getroffen wurde ist ziemlich gut.

00:34:15: Und aus Sicht eines Mediziner?

00:34:17: Was würdest du anders machen wenn jetzt jemand auf dich zukommen würde aus der Politik und würde dich eben fragen Mensch wie können wir denn das vernünftig auf gesunde Beine stellen?

00:34:26: Das Spiel der Mächte zu beherrschen wie es die Arme Bundesgesundheitsministerin jetzt gemacht hat?

00:34:33: das ist mir zum Glück fremd.

00:34:34: also da spiele ich vier liegen weiter unten Denn vieles was vielleicht sinnvoll ist nicht machbar weil Die Verbände dann nicht mehr mitspielen und ich öffentlich mit Schmutz beschmeißen usw.

00:34:45: Also das, was sie da jetzt auf den Tisch gelegt hat, das muss man erst mal zustande bekommen.

00:34:51: Ich habe da den höchsten Respekt davor und möchte jetzt nicht hier aus dem schönen idyllischen Garten sagen wie wir das hätte besser machen können.

00:34:58: Ich ziehe meinen Hut davor.

00:35:00: Komme ich noch zu einer anderen Frage die ihr auch mit Gesundheitsreform zu tun habt und zwar Rückblicken betrachtet?

00:35:05: Ich weiß, dass ist es auch sehr kritisch Die Abwicklung von Regiomete in Koburg, Lichtenfels und eben auch Hilferhausen und Sonneberg.

00:35:14: Rückblicken betrachtet aus deiner Sicht der falsche Schritt?

00:35:17: Naja also wenn die Kommune des Defizits nicht mehr aushalten kann dann wird es irgendwann mal logisch dass man das an den Privaten verkauft.

00:35:25: aber natürlich ist jetzt eine Klinik die Geld verdienen muss denn das gehört Aktionären.

00:35:30: Dann sind bestimmte medizinische Leistungen lukrativer und andere nicht Und natürlich zeigt es einmal mehr, dass Landräte und Bürgermeister vielleicht nicht den Aufsichtsrat eines solchen Klinikums bestimmen sollen.

00:35:43: Norbert Kastner traue ich das zu.

00:35:45: aber danach sind schon auch Entscheidungen getroffen worden da... Ich meine dieses Verzerrungszentrum in Lichtenfels zu bauen, dass man dann irgendwie dreimal am Tag eine Strecke fährt die man gar nicht hätte fahren müssen wenn man das in die Mitte gesetzt hätte.

00:35:58: und so Die zeigen ja schon, dass da Kompromisse gemacht wurden.

00:36:01: die sind wirtschaftlich nicht erklärbar Und da hätte ich mir natürlich was ganz anderes gewünscht.

00:36:07: Coburg war mal ein weit hinsichtbares Lehrkrankenhaus, also ein akademisches Lehrkrankenhaus.

00:36:12: den Status hat man wohl abgeben müssen als man dann die eigene Medical School gegründet hat.

00:36:16: Da habe ich auch eine Meinung zu ob es wirklich sinnvoll ist in einem solchen Krankenhaus das klinische Studium komplett anzubieten.

00:36:24: Ich glaube schon dass man da am Universitätsklinikum besser aufgehoben ist.

00:36:27: Also dann eher die Anbindung in Richtung Würzburg oder zum Beispiel Erlangen.

00:36:30: Na klar Akademisches Lehrkrankenhaus zu sein macht natürlich eine Klinik auch attraktiv, um dort die Fachärzte in den Ausbildungen zu machen.

00:36:37: Das hat man jetzt eben aufgegeben.

00:36:40: Verrückt!

00:36:41: Noch eine Frage an dich was auch natürlich die Medizinreform irgendwann mal betrifft?

00:36:45: Wie wichtig und in diesem ganzen Spiel wie wichtig sind die Hausärzte und Landeärzte?

00:36:50: Na entscheidende Spieler.

00:36:52: Wir sind sehr stolz darauf, wir haben es geschafft in den letzten zehn Jahren.

00:36:56: In unserem Einzugsgebiet hat sich die Anzahl der Facharzttrüfungen in der Allgemeinmedizin verdreifacht.

00:37:01: Das heißt, wir gehen nicht mehr mit diesem Dünkel auf unsere Studierenden zu und sagen, allgemein Medizin ist doch gar nicht, du musst doch molekulare Medizin machen und hab dich habilitieren usw.. Sondern wir haben ganz viel getan, wir haben den Institut für Allgemeinmedizin gegründet.

00:37:15: Wir haben eine allgemeine Medizinklasse in die nicht nur die über die Landarztquote aufgenommenen Studierenden gehen sondern alle die sich dafür interessieren, die werden ganz spezifisch geschult.

00:37:27: Um eine Land-Zahnarztklasse, denn da ist die Versorgungslage ja auch wirklich schwierig.

00:37:32: Und in Sachsen sind es so.

00:37:33: wir sind die einzige Medizinfakultät in Deutschland, in der auch Apotheker ausgebildet werden.

00:37:38: In Sachsen gehen so hundertdreißig im Jahr in Rente und wir bilden fünfund dreißig bis vierzig aus.

00:37:43: Auch da haben wir einiges erreicht.

00:37:45: Wir haben jetzt sechszig Studienplätze statt achtendvierzig Und auch da werden wir eine Klasse gründen, wobei die Leute von Anfang an auf eine Arbeit auf dem Land vorbereiten.

00:37:54: Was zum Beispiel keine Ausgesprochen hat und wir sprechen es aus ist dass man da auch ziemlich viel mehr verdienen kann.

00:37:59: Menschen, die etwas zu sagen haben Sonntags im Radio-Einstock

00:38:03: Dr.

00:38:04: Ingo Beckmann heute unser Gast in der Menschensendung jetzt mal weg von den großen Geschichten hin zum echten Alltag.

00:38:09: also was erlebt man an einer medizinischen Fakultät womit normale Leute Die jetzt z.B.

00:38:15: auch gerade zuhören nie rechnen würden?

00:38:17: Also, ich meine mein Humor ist unzerstörbar.

00:38:21: Aber was man so im Alltag erlebt ist schon oft eher Mangelverwaltung.

00:38:25: aber wir sind in der Medizin vieles gewöhnt.

00:38:28: also die Mangel Verwaltung gehört zu unserem Geschäft sodass wir oft eher etwas belustigt auf andere Teile der Universität schauen, wo Leute, sagen wir mal nicht besonders häufig da sind.

00:38:39: Nicht besonders häufig in der Drittmitteleinwerbung sind aber große Forderungen stellen.

00:38:44: Wir haben ja bei uns Leute diesen weltweit sichtbar auch wissenschaftlich und leiten so ganz nebenbei noch eine Klinik mit hundert Betten und sowas.

00:38:53: Das heißt, da sind wir von dem üblichen Gedöns, was in Universitäten die wichtig Touarei gibt.

00:39:00: Die Eitelkeiten sind bei uns eher selten denn wir sind Gläser und du kannst mit einem Knopfdruck im PubMed innerhalb von wenigen Sekunden sehen wo jemand publiziert.

00:39:11: Das sind anderen Bereichen der Universität nicht so und deswegen verhalten sich manche auch als seien sie kurz vor dem Nobelpreis obwohl sie da wirklich nicht einmal auf ein Lichtjahr angekommen sind.

00:39:26: Wie weit warst du vom Nobelpreis weg, wenn ich mal fragen darf?

00:39:29: Für mich nicht in Sichtweite.

00:39:31: Ich habe was entdeckt, das eine gewisse Karriere gemacht hat aber weit entfernt ist davon dass es ein Nobelpreise verdient.

00:39:37: Ich hab mit dem Kollegen beschrieben, dass bei der Alzheimer'schen Erkrankung bevor die Nervenzellen betroffen sind Immunzellen sterben und darauf richtet sich jetzt unsere Aufmerksamkeit.

00:39:47: Warum die eigentlich sterben?

00:39:48: Aber selbst wenn ich das entdecken würde, wäre die Bedeutung sicher weit entfernt davon.

00:39:52: Dass sie Nobelpreis bekommen insofern muss sich nicht davon träumen und es macht des Arbeiten viel leichter.

00:39:57: Gibt's denn eine Frage von irgendeinem Studierenden, den ich mal komplett überrascht hatte oder so richtig wo du sagst okay dadurch hast du mal keine Antwort drauf?

00:40:06: Also ne Antwort besorge ich immer.

00:40:07: Ich sage halt des Öfteren dass ich das jetzt nicht weiß.

00:40:10: da müsste ich ne Kollegin anrufen Und liefe die Antwort nach.

00:40:13: aber ich hatte ein Erlebnis wo sich das Lehrer-Schüler-Verhältnis innerhalb von einer Sekunde umgedreht wird.

00:40:19: Das kann ich erzählen, wenn du magst!

00:40:23: Da hat mich vor vier Jahren eine Studentin gefragt ob wir die Glitteris präparieren und dann habe ich gesagt ihr könnt gerne die Glitoris pröparieren, ich nicht?

00:40:32: Und dann haben sie mich gefragt warum?

00:40:34: Ich sagte es mir einfach peinlich.

00:40:36: also ich bin irgendwie eher klein städtisch groß geworden, ich bin sehr protestantisch... ich kann das nicht vor euren Augen, dass ist mir einfach.

00:40:44: Und dann drehte sich innerhalb von einer Sekunde des Lehrers Schülerverhältnissen und sagte, die zu mir klar kannst du das?

00:40:49: Wir machen das zusammen.

00:40:50: Du musst dich überhaupt nicht schämen!

00:40:52: Dann habe ich noch versucht mich zu drücken aber es war schnell klar da wird nix draus.

00:40:55: Ich habe dann aber noch um Aufschub bis zum nächsten Tag gebeten, dass ich nochmal genau nachlesen kann.

00:41:02: Und dann musste ich das erste Mal mein Leben selber tun und ich hab es überlebt.

00:41:06: Hab ganz viel dabei gelernt!

00:41:09: Das ist jetzt Standard bei uns im Präpariersaal.

00:41:11: Es wurde in unsere Präbarieranleitung aufgenommen des Kapitel Wie Des Geht.

00:41:15: Ich habe zu der Zeit ein Lehrbuch geschrieben Das heißt neurologisch topische Diagnostik.

00:41:20: Ich mache noch mal keine Lehrbücher, aber das habe ich als Student schon geliebt.

00:41:23: deswegen konnte ich nicht nein sagen also mich gefragt haben ob ich das in eine neue Auflage bringe und mit meinem neuen sozusagen mit meiner neuen Sicht auf die Dinge die ich meinen Studierenden aus diesen Kurs zu verdanken hab.

00:41:33: viel mir auf dass beim Thema Querschnittslähmung ist ausschließlich um Erektionsstörungen geht.

00:41:38: es stand überhaupt nichts über Frauen.

00:41:40: dann habe ich die deutschsprachigen Lehrbühne durch geguckt und festgestellt ist es überall so.

00:41:44: Dann habe ich den Norbert Weidner angerufen.

00:41:47: Der war auch mit mir am Kasi und leitet das deutsche Parapeligiezentrum in Heidelberg.

00:41:51: Er sagte, du weißt was da drüber?

00:41:53: Ich sagte ne, das machen bei uns die Gynnies und so.

00:41:56: Und jetzt schreibe ich mit einem Kollegen für die neue Auflage des Buches endlich mal etwas über die Folgen der Sexualstörungen von querschnittsgelähmten Frauen.

00:42:05: Das war ein Moment wo die Studierenden mich... einen großen Schritt weitergebracht

00:42:09: haben.

00:42:10: Interessanter Moment auf jeden Fall.

00:42:12: und der Müffel Bücher hast du ja nicht insgesamt schon geschrieben?

00:42:14: Ganze Bücher habe ich nicht geschrieben, ich hab Buchkapitel geschrieben!

00:42:16: Ich weiß es nicht vielleicht fünf oder sieben oder so...

00:42:20: Wenn heute jemand auf dich zukommt ein junger Mensch und sagt ich will Medizin studieren was sagst ihr dem?

00:42:26: Das Beste was mit deinem Leben machen kannst.

00:42:28: also ich würde das immer wieder machen.

00:42:29: ich habe das Studium aus vollen Zügen genossen und ich nutze jedes Wochenende um mich fortzubilden Weil mein Examin ist eben auch schon lange her und weil die Studierenden mich alles mögliche fragen.

00:42:40: Und ich merke einfach, dass ich mich da überhaupt nicht überwinden muss.

00:42:43: Es macht mir Freude!

00:42:44: Ich lese das deutsche Ärzteblatt vor allem als einer der wenigen wahrscheinlich, weil ich eben als Vorkliniker auf solche Informationen angewiesen bin... ...und ich steh morgens auf und fang an zu lesen und habe da nach wie vor riesige Freude

00:42:58: dran.".

00:42:58: Was tust du denn trotzdem in dem Alltag?

00:43:00: Wir haben schon gehört, du hast eine Pickepacke voller Arbeitsvorher.

00:43:03: Auf jeden Fall was tust Du dann da um runterzukommen dich zu erholen mal wieder so ein bisschen zu erden.

00:43:10: Ich habe ein kleines schmutziges Geheimnis.

00:43:12: ich spiele E-Gitarre und mache das eigentlich auch jeden Abend wenn ich so um zehn Uhr meinen Rechner abstelle Und dann lege ich halt irgendwie Schaltblätter auf und Spiel mit der.

00:43:22: die Technik ist mittlerweile so.

00:43:23: ich hab mein eigenes Haus im Süden von Leipzig Aber die nächsten Nachbarn sind halt irgendwie zwanzig Meter weg.

00:43:29: Also da kannst du jetzt nicht mit dem Amp spielen bis nach zum Eins, aber die Technik ist wirklich so dass das in der Lautstärke wie wir gerade reden zu einer Schallplatte machen kannst.

00:43:39: und dann tricke ich ein bisschen Riesling dabei und freue mich meines Lebens, aber ich freue mich schon auch auf den nächsten Tag

00:43:45: Und bevorzugt welche Musik?

00:43:46: Das wollen wir natürlich auch noch wissen.

00:43:48: Ich bin im Blues Guy also ich kann nicht genug vom Blues kriegen, aber wir haben eine Band in Leipzig Mit vielen meiner Kolleginnen Kollegen spielen seit zwölf Jahren zusammen und wir spielen alles mögliche.

00:43:58: Unter anderem auch, das kann man ja mal sagen bei der Elze in Köstfeld gibt es immer wieder mal einen Auftritt.

00:44:04: wann ist die nächste?

00:44:05: Erst nächstes Jahr sind alle viel beschäftigte.

00:44:08: Leute müssen auch viel durch die Gegend fahren so dass wir es dieses Jahr leider nicht geschafft haben zusammen zu kommen.

00:44:13: für nächstes jahr sind sie immer wieder in der Spur.

00:44:15: Jetzt habe ich noch wenige Fragen aber einer ist auf jeden Fall natürlich irgendwo.

00:44:19: das stelle ich meinen Leuten bei der menschlichen Sendung ganz gern was bedeutet für dich Heimat?

00:44:23: Naja dass man vieles nicht erklären muss.

00:44:25: Ich kann mich hier anders durch die Stadt bewegen, weil ich ganz viel weiß.

00:44:31: Weil ich glaube, die Leute zu kennen... ...ich muss nicht überlegen wie ich kommuniziere sondern die kennen mich ja alle.

00:44:38: Also es ist ein Gefühl von aufgehoben sein denke ich.

00:44:41: Und dann zum Schluss jetzt noch eine Frage, die geht bis in die Zukunft.

00:44:45: Wo stehen wir denn in Deutschland?

00:44:47: In zehn bis fünfzehn Jahren mit unserem Medizinsystem?

00:44:54: das Krankenhaus zu Hause geben, also dass Patienten gar nicht mehr in die Klinik kommen müssen oder in der Notaufnahme erfahren, dass man ihr Problem Zuhause behandeln kann wenn sie das wünschen.

00:45:04: Da sind wirklich kluge Unternehmen am Start.

00:45:07: Es wird uns viel Arbeit abgenommen werden durch KI Nicht in manchem Bereich und nicht in Bereichen die man jetzt so favorisiert.

00:45:14: Also ich glaube ein Röntgenbild wird nach wie vor Radiologen anschauen müssen Aber die KI kann vielleicht etwas darauf erkennen, was wir gar nicht auf dem Schirm hatten.

00:45:23: Solche Dinge!

00:45:24: Also ich glaube, wir werden das Krankenhaus in zehn Jahren sehr anders erleben und es wird vor allem viel weniger Betten

00:45:30: haben.

00:45:32: Professor Dr.

00:45:32: Ingo Beckmann.

00:45:33: an dieser Stelle sage ich Dankeschön.

00:45:36: super Einblicke und da war auch viel Interessantes und auch Sachen dabei, die ich selber noch nie gehört habe.

00:45:41: Gerne

00:45:42: hab' ich Spaß.

00:45:43: Wir können ja in fünf Jahren vielleicht ist dann ein oder andere eingetretenen Rätmer wieder ganz direkt Ganz persönlich, Menschen aus der Region bei Radio Eins.

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